ADS - ein in seiner Häufigkeit unterschätztes Problem.



Definition:
ADS = Aufmerksamkeits - Defizit - Syndrom
im weiter verbreiteten Englisch:
ADD = Attention - Deficit - Discorder
Diese Begriffe stehen für eine erhebliche Minderung der
Konzentrationsfähigkeit und damit verbunden mit einer herab-
gesetzten Planungs- und Handlunsgkontrolle.
Ursache (meist vererbt) ist die nicht ausreichende Produktion von
Botenstoffen zwischen den Synapsen (Nervenknoten) im Gehirn.
Auffällig bei den meisten Kindern ist die damit einhergehende
motorische Hyperaktivität.





In Deutschland ist die Zahl der diagnostizierten Kinder
mit deutlich unter 5 % geringer als z.B. in den USA (über 10 %)
oder Israel, wo fast 20 % erreicht werden. Ursache dafür ist
die wenig verbreitete Kenntnis des Krankheitsbildes, z.B.
bei Kinderärzten, Lehrern aber auch Psychologen,
die - Sigmund Freud folgend - häufig auch bei ADHS-lern
analytische Ansätze verfolgen und damit fast immer
den Holzweg beschreiten. Lange Leidenswege
von Kindern und ihren Familien
sind die Folge dessen. Anwesende Eltern wußten von
abenteuerlichsten Hypothesen zu berichten, die sie von
Beratern in Erziehungs- und Familienberatungsstätten zu
hören bekommen hatten, bevor schließlich die zutreffende
Diagnose ADHS gestellt wurde. Besonders Kinder mit ADHS
ohne Hyperaktivität werden selten diagnostiziert,
weil sie weniger störend auffallen, als Kinder,
die auch das Merkmal der Hyperaktivität aufweisen.
Sie bleiben häufig ausgeschlossen, werden Schulversager,
entwickeln ein schlechtes Selbstvertrauen und neigen zu Depressionen.
Mädchen sind von dieser Ausprägung häufiger betroffen als Jungen,
während es insgesamt mehr Jungen mit Hyperaktivität gibt als Mädchen.





Seitdem der Nervenarzt Dr. Hoffmann im Jahre 1847
seinen "Struwwelpeter" zu Papier brachte, Seit dem hat sich viel getan:
Es wurde geforscht und dazugelernt.
Dennoch leben wir in Deutschland nach wie vor in einem Entwicklungsland,
was das Thema ADS betrifft.
Zwar geht man heute davon aus, dass ein hoher Prozentsatz aller Kinder,
die in Sonderschulen, Lerneinrichtungen etc. landen, unter ADS leiden,
dem Gegenüber stehen aber nach wie vor viel zu wenig "aufgeklärte" Fachleute,
seien es Ärzte, Therapeuten, Lehrer, Erzieher usw.
Dass ADS eine ernstzunehmende Erkrankung ist,
steht zwischenzeitlich außer Zweifel - nur leider wird diese Erkrankung
immer noch ignoriert, ja teils sogar regelrecht negiert und als "Modekrankheit" bezeichnet.
Es kann und darf nicht sein, dass unbehandelte ADS'ler
ihr Leben lang unter dieser Störung leiden, dass sich Spätfolgen einstellen,
die irreparabel sind, dass diese Kinder in Schulen für Schwererziehbare
oder Lernbehinderte, in Heimen und psychiatrischen Anstalten landen - nur weil
"man" in Deutschland die Augen verschließt.